Zu Gast in Luxemburg: Der dritte Workshop des tri-nationalen Doktorandenkollegs

Tag eins des Workshops (30. Mai 2018)

Der dritte Workshop des deutsch-französisch-luxemburgischen Doktorandenkollegs: Internationale Geschichte interdisziplinär – Deutsch-französisch-europäische Perspektiven im 20. Jahrhundert startete am Mittwoch, den 31. Mai. Die TeilnehmerInnen des Kollegs, das Leitungsteam (Prof. Dietmar Hüser, Prof. Hélène Miard-Delacroix und Prof. Andreas Fickers) sowie Gast- und NachwuchswissenschaftlerInnen trafen sich in Luxemburg, um unter anderem über das Jahresthema Gesellschaftsdiagnosen: Diversität und Transversalität und den aktuellen Stand der im Kolleg angesiedelten Dissertationsprojekte zu diskutieren. Der Einstieg in den dreitägigen Workshop gab zugleich den inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung vor, der an Tag 2 nochmals aufgegriffen wurde: Luxemburgs Migrationsgeschichte.

Dr. Denis Scuto (C²DH – Université du Luxembourg) gab einen Überblick über die verschiedenen migrationsgeschichtlichen Etappen Luxemburgs von der Industriellen Revolution, über den Ersten und den Zweiten Weltkrieg, die Trente Glorieuses bis hin zu den anschließenden „Trente Splendides“ ab Ende der 1970er Jahre. Anhand exemplarischer Biographien verdeutlichte Denis Scuto, dass die Migration von und nach Luxemburg keinesfalls unilateral von statten ging, sondern zirkulierend innerhalb verschiedener Staaten und Regionen. Auch verdeutlichte er unterschiedliche Migrationsmotive und gab einen Überblick über die Geschichte Luxemburgs, das sich von einem der bedeutendsten Montanreviere der Welt zur gewichtigen Bankenmetropole und Standort europäischer Institutionen wandelte.

Thematisch passend stellte anschließend Anita Lucchesi ihr Dissertationsprojekt Shaping a digital memory plattform on migration narratives: A public history project on Italian and Portuguese migration memories in Luxembourg vor. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, über ein möglichst breit angelegtes Sample von individuellen Erinnerungen, den Narrativen der italienischen und portugiesischen Migration in Luxemburg nachzuspüren. Mithilfe einer digitalen Plattform wird die klassische Oral History um digitale Quellen erweitert. Anita Lucchesi bietet allen, die ihre Erinnerungen zum diesem Thema online teilen möchten, mit #memorecord eine Onlineplattform. Diese digitale Begegnungsstätte leistet einen großen Beitrag zur Digital Public History und wirft unter anderem die Frage nach der Divergenz zwischen genuin digitalen und „üblichen“ schriftlichen historischen Quellen auf. Kommentiert wurde der Werkstattbericht von Prof. em. Dr. Rainer Hudemann (Universität des Saarlandes / Sorbonne Université).

Vortrag Dr. Denis Scuto
Vortrag Anita Lucchesi

Tag zwei des Workshops (31. Mai 2018)

Der zweite Tag des Workshops startete mit der vergleichenden Präsentation der virtuellen und physischen Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in Luxemburg. Dr. Sandra Camarda (C²DH – Université du Luxembourg), Kuratorin und Projektkoordinatorin, führte zunächst durch die physische Ausstellung des Centre de Documentation sur les Migrations humaines (CDMH) in Dudelange. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Migrationsgeschichte dieser luxemburgischen Stadt. Sandra Camarda erklärte, dass der Stahl hier als zentrales Element und Symbol der Migrationsgeschichte zu deuten sei: Dudelange, einstiger Hochofen Luxemburgs, lockte Menschen aus Italien, Portugal, dem Deutschen Reich und anderen Orten mit der Aussicht auf Arbeit in der Montanindustrie.Gleichermaßen zog der Stahl auch die spätere Okkupationsmacht an, die die Migration direkt und indirekt beeinflusste. Wer konnte, kehrte meist in sein Herkunftsland zurück, um der unsicheren Zukunft in Dudelange zu entfliehen. Wer blieb, stammte überwiegend aus Italien, das selbst in den Krieg verwickelt war. So ist es nicht verwunderlich, dass die Stadt eine spürbare italienische Prägung erhielt.

In einem zweiten Schritt präsentierte Sandra Camarda die virtuelle Ausstellung Éischte Weltkrich: Remembering the Great War in Luxembourg. Das Internetportal ist ein Projekt des C²DH in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum CDMH. Es zeigt die aktuellen Möglichkeiten der Digital Public History und führt vor Augen, wie Transmedia Storytelling aussehen kann.

Ein geführter Rundgang durch das umliegende Quartier Italien von Dudelange machte die bewegte Geschichte der Industriestadt erlebbar. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops wanderten auf den Spuren der italienischen Migranten, die diese Stadt nachhaltig prägten. Danach berichtete Jost Richter (Universität des Saarlandes) über den Stand seines Promotionsvorhabens Die politische Auseinandersetzung mit der Euro-Krise in Deutschland und Frankreich. Das Forschungsinteresse liegt vor allem darin, den nationalen Besonderheiten der politischen Auseinandersetzung mit der Euro-Krise in Deutschland und Frankreich nachzuspüren. Auch verdeutlichte der Vortrag die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die eine transnational angelegte Diskursanalyse mit sich bringt. Der Kommentar von Dr. Elena Danescu (C²DH – Université du Luxembourg) wurde stellvertretend von Benjamin Zenner vorgetragen. Der Donnerstag endete mit einer Führung durch die frühsommerliche Stadt Luxemburg.

Besuch der Ausstellung des CDMH
Vortrag Jost Richter
Jost Richter und Benjamin Zenner vor dem Plenum
Rundgang durch das Quartier Italien von Dudelange
Rundgang durch die Stadt Luxemburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag drei des Workshops (1. Juni 2018)

Am letzten Tag der Doktorandenschule hatte zunächst Pascal Schneider (Sorbonne Université / Universität des Saarlandes) das Wort. In seinem Werkstattbericht L’étude sociologique des membres du NSDAP dans les territoires annexés au IIIème Reich de 1938 à 1944 (Alsace, Moselle, Eupen-Malmédy, Sudètes), entre diversité et transversalité gab er Einblicke in vorläufige Ergebnisse seines Dissertationsprojektes  und diskutierte diese vor dem Hintergrund des diesjährigen Leitthemas des Kollegs Gesellschaftsdiagnosen: Diversität und Transversalität.

Der Programmpunkt Gesellschaftsdiagnosen – Ausblick richtete das Augenmerk auf aktuelle Forschungsliteratur: Prof. Dietmar Hüser, Prof. Andreas Fickers und Prof. Hélène Miard-Delacroix stellten Publikationen vor, die relevante und interessante Analysen zu gesellschaftsgeschichtlichen Fragestellungen bieten. Dietmar Hüser und Andreas Fickers wählten dabei aktuelle Abhandlungen, die sich mit 1968 auseinandersetzen – ein Thema, dem aufgrund des Jubiläums und Debatten in Politik und Gesellschaft derzeit große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Ersterer stellte Detlef Siegfrieds 1968 – Protest, Revolte, Gegenkultur vor. Siegfried biete zwar keine Erarbeitung neuer Quellen, doch eine Bestandsaufnahme der Forschung zu Ereignissen und Akteuren aus anderen Blickwinkeln, die die aktuelle Debatte um das Erbe von 1968 bereichere. Letzterer rezensierte Christina von Hodenbergs Das andere Achtundsechzig – Gesellschaftsgeschichte einer RevolteAndreas Fickers hob die innovative methodologische Herangehensweise der Studie hervor, deren Quellen über eine besondere Authentizität verfügten. Von Hodenberg analysierte circa 60.0000 Tonbandaufnahmen, die ab 1965 im Zusammenhang mit der Bonner Längsschnittstudie des Alterns (BOLSA) entstanden. Hélène Miard-Delacroix stellte das soziologische Werk La souffrance à distance von Luc Boltanski vor. Es verbinde soziologische, politikwissenschaftliche und philosophische Sichtweisen auf die Frage, inwiefern die Mediatisierung von Leid in der Ferne und humanitären Hilfsaktionen nicht nur eine moralische, sondern auch eine politische Dimension beinhalte. Abschließend stellten Jasmin Nicklas (Universität des Sarlandes / Sorbonne Université) und Paul Maurice (Sorbonne Université / Universität des Sarlandes) die Interdisziplinäre Forschungsgemeinschaft Frankreich-Deutschland (IFFD) / Groupe Interdisciplinaire de Recherche Allemagne-France (GIRAF) vor. Auch informierten sie über anstehende Projekte, wie die geplante Tagung zur Emotionsgeschichte, die im Oktober an der Universität des Saarlandes stattfinden wird.

Vortrag Pascal Schneider

Dieser Beitrag wurde zuerst auf dem EZG-Blog veröffentlicht.

Die Broschüre zu dem Workshop können Sie hier einsehen.

 

Melanie Bardian

SENTA QUE LÁ VEM A HISTÓRIA: #MEMORECORD for a Historiography closer to life

Post written by Anita Lucchesi (C²DH)

Can digital public history help us to reach a historiography that is closer to life? Here, some personal stories and reflections on why I believe the crowdsourcing experiment I am conducting for my PhD research can contribute to this idea, reconciling historiography with inventiveness, poetic creation, sonority and other forms of human expression often undervalued, both as source and as outputs, in the historiographical operation.[i]

[If you wish, enjoy your reading in the loop of Os Tincoãs, Deixa a Gira girar (edit j g b), on the EP 1Löffelchen, released on August 22, 2016.[ii] ]

workshop_memoria_episodika_20_05_2018
#memorecord’s first memory harvest day, in the context of the expo “Memória Episódika”. Espace H²O, Differdange, 20 May 2018.

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Internationale Tagung: La France et la Dénazification de l’Allemagne après 1945 – Tagungsbericht (Anna Gvelesiani)

Eine überarbeitete Fassung des Textes kann hier auf HSozundKult abgerufen werden.

Am 22. und 23. März 2018 fanden im Deutschen Historischen Institut in Paris und in den diplomatischen Archiven von La Courneuve Forscher*innen sowie ein internationales interessiertes Publikum zusammen, um über die Geschichte der Entnazifizierung in der französischen Besatzungszone zu diskutieren. Die Tagung, die vom Deutschen Historischen Institut (DHI), den Archives diplomatiques in La Courneuve, der École Normale Supérieur (ENS), dem LabEx Ecrire une histoire nouvelle de l’Europe (EHNE) und der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus veranstaltet wurde, stand unter dem Zeichen des französischen ministeriellen Erlasses vom 24. Dezember 2015, (dem sog. „L’arrêté 2015“) der alle Dokumentenarchive zum Zweiten Weltkrieg öffentlich zugänglich macht – ein unermesslicher Schatz für Historiker*innen, wie bei der Tagung erneut unter Beweis gestellt wurde.

Eingang des Archivs in La Courneuve

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Docteuropa fait peau neuve – nouveau poster

Avec l’ouverture de sa deuxième année de fonctionnent, l’école doctorale Docteuropa s’offre une nouvelle vitrine. Vous trouverez ci-dessous un lien pour télécharger le nouveau poster (en format PDF) qui reprend les informations clés de notre groupe.

Docteuropa_PosterA3_PRINT

 

 

 

„…und wie finanzierst du dich?!“ – Das Beispiel Contrat doctoral

Wer sich zu einer Promotion entschließt, sieht sich abseits aller inhaltlichen Überlegungen zur Dissertation recht bald mit einer geradezu banalen Frage konfrontiert: Wie soll das mehrjährige Projekt finanziert werden?

Es ist wichtig, sich frühzeitig einen Überblick über potenzielle Geldquellen zu verschaffen und eine Finanzierung zu finden, die den Promotionszeitraum möglichst umfassend abdeckt. Grundsätzlich sind viele verschiedene Wege denkbar: z.B. eine Anstellung am Lehrstuhl, ein Stipendium oder ein Nebenjob.

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Les 11 préceptes de la fin de thèse, ou “Comment j’ai survécu aux dernières semaines de rédaction” (Agathe Bernier-Monod)

Loin de moi l’idée de me transformer en coach de vie ou en gourou yogique. Je souhaite seulement partager humblement quelques astuces qui m’ont aidé à traverser (plus ou moins) sereinement les dernières semaines de rédaction de ma thèse. Chaque personne étant unique, certaines de ces astuces ne vous conviendront probablement pas du tout. Je ne m’en formaliserai pas. N’hésitez pas alors à me laisser un message en commentaire !

Œuvre de John Giorno, exposition au Palais de Tokyo (2016). Photo : A. Bernier-Monod

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Museums as places of shared authority and public debates (Fabio Spirinelli)

Doing research on cultural policy also inevitably implies reflecting on cultural institutions, and in my case, museums. Thanks to my research and to some colleagues, I started having a growing interest in public history, which is still a young field – though it does not mean that historians only started recently engaging with the public.

The British Museum in London. Picture: F. Spirinelli.

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Theorie trifft Praxis (Melanie Bardian)

Sich gemeinsam, regelmäßig und eng vernetzt mit Promovierenden und Wissenschaftlern aus anderen Ländern austauschen ist eines der Hauptziele des trinationalen Doktorandenkollegs. Umso zentraler sind die halbjährlichen Treffen, die turnusmäßig von den drei Partnern der Doktorandenschule veranstaltet werden. Vom 8. bis zum 10. November tagte das Doktorandenkolleg in Paris. Dort trafen sich das wissenschaftliche Leitungsteam (Prof. Dietmar Hüser, Prof. Hélène Miard-Delacroix und Prof. Andreas Fickers), die TeilnehmerInnen des Kollegs sowie Gast- und NachwuchswissenschaftlerInnen um gemeinsam über das diesjährige Leitthema Raumdiagnosen: Nationales & Transnationales zu diskutieren. Neben dieser theoretisch-methodischen Komponente nahm auch der Blick in die (Berufs-)Praxis einen wichtigen Platz ein.

Jasmin Nicklas und Dr. Christian Wenkel

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A few thoughts on contemporary history (Ben Zenner)

A couple of days, ago, over dinner, I had an interesting discussion with some fellow PhD students about why we do historical research and who we think will benefit from our efforts.

It turns out that over the past few months, many of the articles and books I read for my research ended up pointing me to similar questions, in particular about contemporary history. What is the current state of that field? What are the particular challenges of writing contemporary history today? How does (or doesn’?) contemporary history relate to neighbouring disciplines, in particular of the social sciences? Finally, how can we as historians use these scholars’ interpretations of and from the period that we study, and what can we add to their descriptions of past reality?

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