„…und wie finanzierst du dich?!“ – Das Beispiel Contrat doctoral

Wer sich zu einer Promotion entschließt, sieht sich abseits aller inhaltlichen Überlegungen zur Dissertation recht bald mit einer geradezu banalen Frage konfrontiert: Wie soll das mehrjährige Projekt finanziert werden?

Es ist wichtig, sich frühzeitig einen Überblick über potenzielle Geldquellen zu verschaffen und eine Finanzierung zu finden, die den Promotionszeitraum möglichst umfassend abdeckt. Grundsätzlich sind viele verschiedene Wege denkbar: z.B. eine Anstellung am Lehrstuhl, ein Stipendium oder ein Nebenjob.

Eine an französischen Universitäten weit verbreitete Finanzierungsmöglichkeit ist der sogenannte Contrat doctoral, der auf einen Erlass des Ministère de l’Enseignement supérieur et de la Recherche aus dem Jahre 2009 [link] zurückgeht. Zielgruppe für diese Unterstützung sind fortgeschrittene M2-Studierende mit einem Dissertationsprojekt sowie Promovierende im ersten Jahr. Eine Altersgrenze gibt es nicht, jedoch sollte der Beginn der Dissertation nicht länger als 6 Monate zurückliegen.

Mit dem Contrat doctoral wird ein auf 3 Jahre befristetes öffentlich-rechtliches Arbeitsverhältnis inklusive Sozialleistungen geschlossen. Eine Verlängerung kann aufgrund von Erziehungsurlaub, mehrmonatiger Krankheitszeiten oder außergewöhnlicher Umstände der Forschungsarbeit bewilligt werden. Während der Vertragslaufzeit muss der Doktorand eingeschrieben sein. Innerhalb des Vertragszeitraums unterliegt er somit einer jährlichen Fortschrittskontrolle bei der Rückmeldung.

Die monatliche Vergütung für die eigene Forschungsarbeit beläuft sich auf rund 1.700 € brutto und kann bei Übernahme zusätzlicher Lehrleistungen leicht erhöht werden. In der Regel umfasst ein zusätzlicher Lehrauftrag 64 Stunden im Universitätsjahr. Andere Zusatzaufgaben für Doktoranden können sich auf die „Diffusion technischer und wissenschaftlicher Informationen“, die „Valorisierung der Wissenschaft“ oder die Beratung von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen beziehen. Die Angebote für derartige Zusatzmissionen sind jedoch begrenzt.

Die Auswahlverfahren werden vor Ort von den jeweiligen Ecoles doctorales unter Berücksichtigung besonderer Forschungsschwerpunkte durchgeführt. Der Bewerbungsprozess kann beispielsweise so ablaufen, dass in einem ersten Schritt ein Dossier mit Zeugnissen und Projektbeschreibungen einzureichen ist und in einem eventuellen zweiten Schritt Auswahlgespräche stattfinden, in denen es gilt, eine Jury vom Mehrwert des Forschungsprojekts zu überzeugen.

Mit einem Contrat doctoral bindet man sich über 3 Jahre hinweg eng an eine Doktorandenschule. Mit Ausnahme der oben beschriebenen Zusatzaufgaben wie etwa einem kleinen Lehrauftrag an der französischen Hochschule dürfen keine anderen Beschäftigungen ausgeübt werden. Im Gegenzug schafft der Arbeitsvertrag sehr vorteilhafte Rahmenbedingungen für die eigene Forschung. Neben der Vergütung verpflichtet sich der Arbeitgeber, dem doctorant contractuel auf seine Aufgaben abgestimmte Weiterbildungsmöglichkeiten zu bieten. Mit dem Contrat doctoral wird die Promotion stärker in einen professionellen Kontext eingebettet. Wenngleich die zeitlichen Vorgaben im Vergleich zu Deutschland strikter sind, bietet der Arbeitsvertrag eine attraktive finanzielle und rechtliche Absicherung für das Promotionsprojekt.

Jost Richter, Université de Lorraine / Universität des Saarlandes