Das Doktorandenkolleg trägt den Namen: Internationale Geschichte interdisziplinär: Deutsch-französisch-europäische Perspektiven im 20. Jahrhundert.

Konkret geht es darum, mehrere forschungsrelevante zeithistorische Spannungsfelder zu thematisieren, zu analysieren und zu diskutieren. Die Spannungsfelder sind stets interdisziplinär aufzuschlüsseln und vergleichs-, transfer- und verflechtungshistorisch zu dimensionieren. Für die Laufzeit des Programms von 2017 bis 2020 erfolgt der Zugang über jährlich wechselnde „Diagnose“-Formate, die einerseits inhaltlich ausreichend breit angelegt sind, um eine adäquate Anzahl an Dissertationsthemen zu bündeln, die andererseits hinlänglich klar voneinander abgegrenzt sind, um das jeweilige Jahresprogramm für 2017, 2018, 2019 und 2020 als kohärentes Ganzes auszuweisen.

Im Einzelnen sind geplant:

2017: Raumdiagnosen: Nationales und Transnationales

„Raumdiagnosen“ sind ganz bewusst als Zugang für das erste Jahr der Doktorandenschule gewählt worden, da sich dort besonders nachdrücklich die interkulturelle und internationale Ausrichtung und Schwerpunktsetzung des Doktorandenkollegs widerspiegelt. Unter dem Spannungsfeld „Nationales und Transnationales“ lassen sich verschiedene Orts- und Raum-bezüge subsumieren und miteinander abgleichen, beispielsweise Amerikanisierung und Euro-päisierung, Koloniales und Postkoloniales, Lokales und Globales, Grenzräume und Interferenzräume oder auch Stadt und Land.

2018: Gesellschaftsdiagnosen: Diversität und Transversalität

Da mehrere derzeitige Netzwerk-Teilnehmer zu sozialgeschichtlichen Fragestellungen ar-beiten, stehen im zweiten Jahr „Gesellschaftsdiagnosen“ im Fokus. Dies wird den Doktoranden erlauben, rechtzeitig vor Abschluss der Promotion ergänzende Ideen und Anregungen zu erhalten. Konkret soll das Beschäftigen mit dem Spannungsfeld „Diversität und Transversalität“ dazu dienen, anhand klassischer Kategorien wie class, race, age oder gender jeweils gruppenspezifische Entwicklungstrends und Merkmalszuschreibungen herauszuarbeiten, zugleich aber transversale Phänomene in den Blick zu nehmen, die über Klassen-, Genera-tions-, Geschlechts- oder ethnische Grenzen hinausgehen.

2019: Zeitdiagnosen: Krisen und Aufbrüche

Aufgrund der Kollegkonzeption als doppelter Zyklus mit zeitlich fließenden Grenzen (vgl. 4. Teil – Studien- und Forschungsprogramm des DFDK) wird für 2019 mit einigen Wechseln im Teilnehmerkreis zu rechnen sein. „Zeitdiagnosen“ trägt dem Rechnung, da der Zugang für ein zeithistorisch ausgerichtetes Doktorandenkolleg zahlreiche Anknüpfungspunkte in unter-schiedlichsten Themenfeldern bietet. Im Spannungsfeld „Krisen und Aufbrüche“ sind besonders allgemeine Fragen von Kontinuität und Wandel, von Zäsuren und Übergängen, konkre-ter dann aktuelle Periodisierungsangebote wie „vor dem Boom“ vs. „nach dem Boom“ oder „Wunderjahre“ vs. „Strukturbruch“ zu diskutieren.

2020: Kulturdiagnosen: Politische Kulturen und Wertewandel

Den Abschluss des vierjährigen Programms bildet der Zugang über „Kulturdiagnosen“, die anhand des Spannungsfeldes „Politische Kulturen und Wertewandel“ zu entschlüsseln sind. Dahinter steckt das grundsätzliche Problem der Legitimitätsgrundlagen und Stabilitätsbedingungen politischer Regime, ausdrücklicher – auf Frankreich, Luxemburg, erst recht auf Deutschland bezogen – die Frage nach der Relevanz kultureller Produkte, Phänomene und Praktiken für gesellschaftliche Liberalität und Wertewandel sowie eine politisch-kulturelle Nachhaltigkeit demokratischer Leit- und Ordnungsvorstellungen.